Rezension: Outlander

 

Zur Sache:

 

Gerade erst hat Claire als Krankenschwester im Lazarett den Zweiten Weltkrieg überstanden. Nach Jahren der Trennung von ihrem Ehemann sind sie endlich wieder vereint. Doch der Krieg hat beide verändert und so versuchen beide auf einer Urlaubsreise durch die schottischen Highlands ihre alte Zweisamkeit und Vertrautheit wiederzufinden. Bei der Besichtigung eines alten Steinkreises tritt Claire durch einen Riss in der Zeit in die Vergangenheit, in der Claire sofort von umherziehenden Highländern verschleppt wird. Nun beginnt für Claire nicht nur ein Überlebenskampf in einem rauen und frauenfeindlichen Jahrhundert, sondern auch der verzweifelte Versuch wieder zu jenem Steinkreis und zu ihrem Ehemann zurückzufinden.

 

Rezension:

 

"Outlander" ist die erfolgreiche Serie der Autorin Diana Gabaldon, deren Werk momentan auch als TV-Serie verfilmt wird. Mittlerweile umfasst die Serie acht Bände, wobei hier nur der erste Band beurteilt wird. "Outlander" liest sich im Großen und Ganzen wie ein historischer Roman, dem Gabaldon durch das Zeitreiseelement zusätzlich Würze verleiht. Zu Beginn legt Diana Gabaldon auch durchweg einen guten Start hin mit einem Auftakt, der den Leser schnell in das Buch zieht.

 

 

Besonders die Heldin des Romans Claire ist besonders zu Beginn ein starker Sympathieträger. Denn es handelt sich nicht um eine Jugendliche oder junge Erwachsene, sondern um eine verheiratete und vor allem gestandene Frau, die weiß, wer sie ist und was sie will. Insbesondere durch ihre Kriegserfahrung ist Claire ein Charakter, der sich mit ihren medizinischen Fähigkeiten gut und vor allem glaubwürdig in der rohen und teils grausamen Vergangenheit schlägt.  Aber auch Jamie der junge Highlander ist nicht nur auf eine rohe weise attraktiv, sondern auch herzlich und humorvoll, sodass man schnell seinem schottischen Charme verfällt.

 

 

Leider fangen hier auch die Probleme des Buches an. Denn natürlich verliebt sich Claire genauso wie der Leser in Jamie. Nur leider ist Claire schon in festen Händen. Damit die beiden doch noch zusammenkommen, werden beide soapmäßig durch äußere Umstände zur Zusammenkunft gezwungen. Doch die Verwerflichkeit der Situation bleibt und trübt das Vergnügen des Lesers, den ein gewisses Unwohlsein nie verlässt. Auch der Versuch den Ehemann Frank Randall im Nachhinein unsympathisch wirken zu lassen – zum Beispiel dadurch das der sadistische Antagonist „Black Jack“ Randall, der zu allem Überfluss ein Vorfahre Franks ist, dasselbe Gesicht hat – täuscht nicht über die Tatsache hinweg, dass sich Gabaldon mit dieser unnötigen Verkomplizierung der Verhältnisse keinen Gefallen getan hat. Denn das Potenzial des Konfliktes verschenkt sie komplett. Anstatt den Konflikt zu thematisieren, bügelt sie ungeschickt darüber hinweg. Darunter leiden nicht nur der Plot, sondern auch die Charaktere, die nun egozentrisch und unsympathisch rüberkommen.

 

 

Darüber ließe sich eventuell noch hinwegsehen, wären da nicht die vielen Sexszenen, die einen Großteil der zweiten Hälfte ausmachen. Diese sind traurigerweise genauso langatmig, wie sie langweilig sind. Insgesamt sind sie aber vor allem eins: peinlich. So könnte man das Buch ab etwa der Hälfte treffenderweise in „Der raue Highländerjüngling und die reife Dirne“ umtaufen und hätte damit die zweite Hälfte des Buches in einem Satz zusammengefasst. Die ständigen Techtelmechtel ersetzen die Handlung immer vollständiger und man fragt sich, ob die Autorin eine bestimmte Seitenzahl fertigzustellen hatte, aber nicht mehr genug Plot um diese zu füllen. Da hilft es auch nicht, dass die Autorin versucht für Abwechslung zu sorgen, indem es Mann mit Frau tut, Mann mit Frau und ein bisschen Haue und schließlich auch Mann mit Mann – eine der verstörtesten Szenen des Buches und eine der widerwärtigsten und ausführlichsten Vergewaltigungsszenen, die je zu Papier gebracht worden sind.

 

 

Die Tatsache, dass Gabaldon neben dem Softporn auch eine solide Charakterisierung der Welt abliefert, kann das Buch leider nicht mehr retten. Zwar werden zwei spannende Epochen – die unmittelbare Nachkriegszeit des Zweiten Weltkriegs und 1743 zur Zeit der Jakobiner Revolten – glaubwürdig verbunden und geschildert und man erhält einen Einblick in die gälische Kultur und das schottische Clanleben, doch werden auch diese Aspekte immer weiter verdrängt.

 

 

Somit liefert Diana Gabaldon einen Serienauftakt ab, der zwar stark anfängt, mit einer spannenden Prämisse, zwei mitreißenden Jahrhunderten, und lebendigen Charakteren, die zum Mitfiebern einladen, aber leider später genauso stark nachlässt. So opfert Gabaldon das massive Potenzial des Beginns billigen Sex- und Gewaltszenen, unter denen der Plot auf Groschenromanniveau sinkt und die Charaktere zu wehleidigen Schachfiguren verkommen, über dessen Motivation man sich keine Gedanken mehr machen muss. So hinterlässt „Outlander“ den Leser mit einem schalen Geschmack im Mund und einem immensen Frustgefühl, denn es wäre so viel mehr drin gewesen.

 

 

 

Urteil: genauso enttäuschend und frustrierend wie der Tod eines Lieblingscharakters in“ Game of Thrones“.