Hörbuch-Alarm: Federleicht-Saga

 

Zur Sache:

 

 

Glaubt man alten Sagen, fast vergessenen Mären und Berichten von Leuten, die sich in den Weiten der schottischen Highlands verirrten, ist Schottland Heim vieler übernatürlichen Gestalten, von denen viele genauso scheu wie gefährlich sind. Auch Elizas Großmutter erzählte ihr von Kindesbein an Geschichten über die Welt der Elfen, von deren Existenz sie überzeugt war– nicht, dass Eliza ihrer Großmutter ernsthaft geglaubt hätte. Doch eines Tages tritt Eliza unverhofft tatsächlich durch ein Tor und landet in der Welt der Elfen, die dringend die Hilfe eines Menschen – Elizas Hilfe – brauchen. Ganz der Aufgabe gewachsen fühlt Eliza sich nicht und auch mit dem ein oder anderen Elf hat sie so ihre Schwierigkeiten. Aber unterkriegen lässt sie sich auf gar keinen Fall, schließlich hat sie ihre beste Freundin Sky stets an ihrer Seite.

 

Anmerkung:

Die "Federleicht-Saga" ist als siebenteilige Serie geplant. Als Hörbuch sind bisher nur die ersten drei Bände erschienen. Die folgende Rezension bezieht sich demnach nur auf die ersten drei Bände der Serie.

 

Rezension:

 

 

Marah Woolfs neue Serie über ein Menschenmädchen, das in die Machenschaften der Elfenwelt hineingezogen wird, ist im Prinzip ein Sequel zur ihrer vorherigen Serie „Mond-Licht-Saga“, die mit vier Bänden abgeschlossen ist. So spielt „Federleicht“ in derselben Welt und Gegend wie ihr erstes Werk und auch einige Charaktere, die aus ihrem ersten Werk stammen, haben in "Federleicht" ein Cameo. Beide Serien spielen in einem kleinstädtischen, schottischen Umfeld der Gegenwart, in dem die Welt der Menschen an mehreren Stellen mit der der Fabelwesen zu überlappen scheint. Aber im Unterschied zur „Mond-Licht-Saga“, in der die Gemeinschaft der Shellycoats – ein Wassergeist der schottischen Mythologie –, mit ihren Gesetzmäßigkeiten im Vordergrund steht, liegt das Augenmerk in der „Federleicht-Saga“ auf der Zivilisation der menschenscheuen Elfen.

 

 

Die beiden Geschichten teilen allerdings nicht nur dieselbe Welt. Auch die Geschichte weißt einige Ähnlichkeiten auf. Beide Geschichten haben ein naives, pubertierendes Mädchen zur Protagonistin, die sich jeweils unsterblich in ein mythologisches Wesen verliebt. Diese „Fisch-liebt-Vogel“ Beziehung wird zusätzlich durch die abweisende und vorurteilsbeladene Haltung der Fabelwesen Menschen gegenüber erschwert, deren Recht oft Regeln beinhaltet, die spezifisch dafür konzipiert zu sein scheinen, die beiden Liebenden auseinanderzuhalten und das zweifelsfreie Happy End hinauszuzögern. Der Empfänger der unreifen Zuneigung der Protagonistin ist in beiden Fällen in verschiedener Ausprägung unnahbar und abweisend. Darüber hinaus zeichnet sich der jeweilige Traumprinz durch seine herablassende Art aus, die den übernatürlichen Jüngling ständig dazu veranlassen, der Protagonistin Informationen zu verschweigen und Entscheidungen alleine, ohne Rücksprache zu treffen – alles natürlich zu ihrem Besten.

 

 

Diese Krankheit, die bereits viele Liebesgeschichten gestört hat, wurde von englischen Fans vor einigen Jahren treffend benannt: Sie heißt noble Idiotie und man kann sich fast immer darauf verlassen, dass, wenn einer der beiden Liebenden sich gerade von der Krankheit erholt hat, der andere sich bereits angesteckt hat. So entwickelt sich ein vor Herzschmerz triefendes, ewiges hin und her, mit dem man gemächlich dem Happy End entgegenschwappt. Auch das pubertierende Gewinsel und der mangelnde Selbstrespekt der Heldin, deren Gedanken sich ausschließlich um das Objekt ihrer Schwärmereien drehen, können besonders einem erwachseneren Leser gehörig auf die Nerven gehen. Zum Glück werden die beiden Protagonisten um einige weit liebenswertere Charaktere ergänzt. Ein Beispiel dafür ist Elizas beste Freundin Sky, die das Interesse an der Elfenwelt entwickelt und bezüglich der Aufgaben, die Eliza für die Elfen erledigen soll, die Fragen stellt, die man sich eigentlich von Eliza wünscht. Mehr als einmal habe ich mir die kluge und besonnene Sky in die Rolle der Heldin gewünscht, um nicht länger einem auf Liebe fixierten, emotionalen Pudding folgen zu müssen. Immerhin versorgt Marah Woolf ihre Nebencharaktere mit einer eigenen Geschichte und eigenem Charakterwachstum, sodass sie mehr als nur müde Sidekicks zu Eliza sind.

 

 

Trotz all der narrativen Vorhersehbarkeit und den Schwächen in der Charakterisierung der Protagonisten hat „Federleicht“ auch eine klare Stärke: Der Aufbau der Welt. Hierein scheint das meiste Herzblut Marah Woolfs geflossen zu sein. So scheinen die Regeln und Eigenheiten der von ihr entworfenen übernatürlichen Wesen die meiste Zeit gut durchdacht zu sein und einzigartig genug, um sich von vielen anderen Fantasiewelten abzuheben. Insbesondere „Mond-Silber-Licht“ beschäftigt sich mit einem Fabelwesen, von dem man noch nichts gehört hat und auch die weit populäreren Elfen in "Federleicht" heben sich genug vom restlichen Kanon ab. Leider neigt Marah Woolf dazu, einige Randfiguren in ihre Werke einzufügen, die so süßlich und unrealistisch wie die tierischen Disney Sidekicks sind. Ein Aspekt, der durch die Vorleserin des Hörbuchs unangenehm verstärkt wird, die besagte Figuren in einer nervigen Teletubby-Stimme interpretiert. Damit kommen wir auch zur Hörbuchversion von Federleicht, die von Julia Stoelpel gelesen wird. Mit ihrer mädchenhaften Stimme passt sie eigentlich ganz gut zur Serie. Leider liest sie einige Stellen so gekünstelt und weinerlich, dass sie unauthentisch und unreif rüberkommt. Dadurch verstärkt sie ungeschickterweise die Aspekte, die auch vorher schon negativ aufgefallen sind.

 

 

Ungeachtet aller Kritik birgt die Serie insgesamt, ähnlich wie eine Daily-Soap, einen gewissen Suchtfaktor. Immer, wenn man das Buch entnervt beiseitelegen will, lauert irgendwo ein Hoffnungsschimmer oder Cliffhanger, der die Neugier auf mehr aufrechterhält. Man weiß, dass man seine Zeit qualitativ besser verbringen könnte, aber da hat man nun mal schon so viel Zeit in etwas investiert, dass man verdammt noch mal wissen möchte, wie es ausgeht. Bei so viel Durchhaltevermögen hat man sich das Happy End, in dem sich die Liebenden im Rot der untergehenden Sonne schmachtend in die Arme fallen, auch redlich verdient.

 

 

 

 

Urteil: für pubertierende Mädchen auf der Suche nach Romantik und einer schön entworfenen Fantasiewelt genau das Richtige.

 


Wie fallender Schnee

Erschienen: 15.12.2016

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Spieldauer: 8 Std. 41 Min.

Verlag: Audible GmbH

 

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