Hörbuch-Alarm: Gregor und die graue Prophezeiung

 

Zur Sache:

 

Seit über zwei Jahren fehlt von Gregors Vater jede Spur, und Gregor vermisst seinen Vater sehr. Doch als er eines Tages versucht seine zweijährige Schwester „Boots“ vor dem Sturz in einen Lüftungsschacht des Wäschekellers zu bewahren, fällt er stattdessen unverhofft selbst mit hinein. Dabei fällt er viel tiefer als Gregor es für möglich gehalten hätte und landet in einer düsteren Welt, in der Fledermäuse und Kakerlaken auf einmal genauso groß sind wie er selbst. Die Welt nennt sich Unterwelt und liegt tief unter der Betriebsamkeit von New York City. Und obwohl die auf Fledermäusen reitenden, bleichen Menschen schon sehr faszinierend sind, will Gregor eigentlich nur eins: nach Hause. Da erfährt er, dass er in einer Prophezeiung der Unterweltler vorkommt und es gemunkelt wird, dass Gregor nicht der Erste ist, der sich in die Tiefe verirrt hat. Gregor schöpft Hoffnung – könnte der vermisste Oberling sein Vater sein?

 

Rezension:

 

„Gregor und die graue Prophezeiung“ bezeichnet den Auftakt einer fünfteiligen Buchserie aus der Feder von Suzanne Collins, die vor allem durch ihre mittlerweile verfilmte „Hunger Games“ Trilogie zur Berühmtheit avancierte. Das Werk um den 11-jährigen Jungen und seiner kleinen Schwester, die sich unverhofft in der wundersamen Welt der Unterländer behaupten müssen, richtet sich im Gegensatz zu den dystopischen und erwachsenen „Hunger Games“ an ein kindliches Publikum.

Mit „Gregor und die graue Prophezeiung“ entwirft Collins eine liebenswürdige Abenteuergeschichte, die zwar nicht ohne dunkle und nachdenkliche Momente ist, aber insgesamt viel optimistischer ausfällt als das menschenverachtende Werk, für das die meisten sie kennen. Insbesondere die niedliche „Boots“, um die sich Gregor stets gewissenhaft und liebevoll kümmert, räumt viele Konflikte mit ihrer aufgeschlossenen und entwaffnenden Art aus dem Weg. Aber auch der Titelheld Gregor, der zuweilen etwas arrogant wirken kann, handelt meistens umsichtig und menschlich. Und mit der tatkräftigen Hilfe seiner unwahrscheinlichen und wunderbar beschriebenen Weggefährten – Spinnen, Fledermäuse und sogar Kakerlaken – steht einer fantasievollen Abenteuerreise durch die Unterwelt nichts mehr im Weg.

 

 

Für einen etwas erwachseneren Leser sind die Geschichte und die Auflösung der Prophezeiung, um die sich die Reise dreht, recht vorhersehbar. Das tut dem leichtgängigen und schön formulierten Lesevergnügen aber keinen großen Abbruch. Einziges Manko bleibt die Charakterisierung der Unterwelt und der Stadt der Untermenschen Regalia. Ein wenig mehr Anhaltspunkte über die Welt der Untermenschen wären für eine bessere Vorstellung wünschenswert gewesen. So aber überlässt Collins diese Aufgabe weitgehend dem Leser, dem beim Imaginieren sehr viel Freiraum gelassen wird.

 

 

Das Hörbuch liegt in ungekürzter Fassung vor und ist dezent mit einer Geräuschkulisse und untermalender Musik hinterlegt, die an den richtigen Stellen für Spannung sorgt. Der Erzähler der Geschichte wird von dem angenehmen klingenden Matthias Haase gelesen, der mit seiner ruhigen Art, die niemals ins Monotone abrutscht, überzeugen kann. Besonders schön ist, dass alle Figuren – auch die übergroßen Insekten und Nager – eine eigene Stimme bekommen. So klingen die schüchternen und verachteten Kakerlaken ganz zaghaft und die kleine Boots so niedlich, dass man sie am liebsten knuddeln möchte. Auch werden die kindlichen Charaktere angemessenerweise allesamt von Kindern gesprochen. Das hat bei einigen Stimmen – unter anderen auch bei der von Gregor – den Nachteil, dass sie etwas gestelzt und unnatürlich steif klingen. Dieses kleine Manko hält sich aber bis zum Schluss im Rahmen des Ertragbaren, zumal man sich mit der Zeit daran gewöhnt.

 

 

Zuletzt fällt positiv auf, dass es sich bei „Gregor und die graue Prophezeiung“ zwar um einen Serienauftakt handelt, sich der erste große Handlungsbogen zum Ende aber zufriedenstellend schließt.

 

 

Urteil: „Gregor und die graue Prophezeiung“ ist für Kinder ab 10 Jahren eine fantasievolle Reise, die zum Mitdenken anregt und sich auch für mithörende Elternteile als unterhaltsam erweist.

 


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Kommentare: 1
  • #1

    Die Busleserin (Sonntag, 30 April 2017 21:21)


    Das klingt nach einer Lektüre, die die Phantasie beflügelt und eine schöne Vorlage für eine Verfilmung sein könnte.