Challenge 2017 Kurzmeinung: 50 Shades of Grey. Geheimes Verlangen

 

Zur Sache:

 

Anastasia Steele ist jung, zielstrebig und unerfahren. Noch nie hat die geradlinige Literaturstudentin etwas Verwegenes oder Verbotenes getan. Doch das ändert sich, nachdem sie den attraktiven, reichen, selbstsicheren und geheimnisvollen Jungunternehmer Christian Grey für ihre Uni-Zeitung interviewt. Beide fühlen sich unmittelbar zueinander hingezogen, doch der mysteriöse Christian Grey ist nur an einer Beziehung nach ganz bestimmten Regeln und Vorstellungen interessiert. Und Ana ist wie das Kaninchen, das vor der Schlange steht. Trotz allen inneren Widerstands kann sie sich dem Sog nicht entziehen, der sie in eine dunkle, gefährliche Welt voller Erotik zieht.

 

 


Achtung! Lesen auf eigene Gefahr: Es wird blutig.


Kurzmeinung:

 

Für die Meisten unter uns ist „50 Shades of Grey“ ein absolutes Guilty-Pleasure Buch. Keiner will es offiziell loben und doch haben es ALLE – und mit alle meine ich die weibliche Bevölkerung der westlichen Hemisphäre – gelesen. So ging es auch mir: Schließlich muss man sich über die aktuellen Themen, die die Welt beschäftigen, informieren. So lautete zumindest mein Alibi. Aber wenn ich ehrlich bin, war am Ende die Neugier einfach zu groß.

 

Leider war der Pleasure-Faktor bei mir überhaupt nicht gegeben. Denn mit den schablonenhaften Protagonisten, die eine so dumm wie Brot – und ja das ist, wie ich festgestellt habe, in der Chick-Literatur auch mit einem Notendurchschnitt von 1,0 möglich – und der andere so anregend wie abgestandenes Wasser, weigere ich mich zu identifizieren. Auch fällt der Plot sehr mager aus und lässt sich auf eine fundamentale Erkenntnis reduzieren, nämlich, dass Frauen von Männern dominiert werden wollen und – um die Worte der Rockband „die Ärzte“ zu klauen – „ein bisschen Haue gernhaben“, sofern besagter Mann natürlich reich und schön ist. Ob der Traumprinz über eine Persönlichkeit verfügt, ist dabei ganz nebensächlich, schließlich will die Frau von heute sich ihren Adonis nach Belieben zurechtbiegen. Die größte Enttäuschung aber ist die Tatsache, dass „50 Shades of Grey“ nicht hält, was der Hype verspricht: 608 haarsträubende Seiten voll abartigem Sadomasosex und Schockmomenten in einem düsteren Kellerraum wurden mir versprochen, stattdessen wird der duseligen Dirne ein zweimal ein wenig auf den Popo geklatscht.

 

Eins aber muss man dem Buch trotz aller Kritik zugutehalten und das ist das Bemühen um Reduktion. So trumpft E.L. James ganz klar mit einem auf das wesentliche kondensierte Vokabular, wenig Charakterisierung und noch weniger Plot auf. Noch nie hat eine Autorin so eindrucksvoll demonstriert, dass 200 Wörter für einen Roman völlig ausreichend sind. Schließlich lässt sich nur ein einziges Wort schon sehr vielseitig einsetzen. Da kann ein „nein“ nicht nur ein „nein“ bedeuten, sondern auch ein „ja, nimm mich“ oder auch ein „vielleicht später“. Man sieht also, dass ein differenziertes Vokabular im Zeitalter der Abkürzungen a la HDGDL und des Texting völlig überbewertet wird. Und machen wir uns nichts vor: Wer hält beim Sex schon inne, um einen Monolog zu halten. Christian Grey ist schließlich kein Hamlet und Anastasia Steele keine Ophelia.

 

 

 

Urteil: Mein Feministinnenherz blutet, und es wird Jahre dauern, bis es sich von diesem Dünnschiss wieder erholt hat.