Challenge 2017 Kurzmeinung: Sturmhöhe/ Wuthering Heights

 

Zur Sache:

 

Wie wild und unnachgiebig doch das menschliche Herz sein kann. Als der alte Gutsbesitzer Mr. Earnshaw den jungen Waisen Heathcliff auf sein Gut Wuthering Heights mitnimmt, legt er unwissentlich den Grundstein für eine Tragödie, die das Familienglück für Jahrzehnte überschatten soll. Denn obwohl der verschlossene Heathcliff in der temperamentvollen Tochter des Gutsbesitzers Katherine eine Seelenverwandte findet, sind sie durch Rang und Status für immer voneinander getrennt. Von Hindley – Katherines Bruder Zeit seines Aufenthalts im Hause Earnshaw misshandelt und nach dem Tod des alten Earnshaw aus diesem für immer verstoßen, kann der zutiefst verbitterte Heathcliff es nicht verzeihen als Katherine ihn verschmäht und ihren Nachbarn Edgar Linton heiratet. Mit zu Stein erkaltetem Herzen schwört Heathcliff bittere Rache.

 

 

 

Kurzmeinung:

 

Sturmhöhe“, oder „Wuthering Heights“ – so der Originaltitel – ist im Kern eine Erzählung über eine leidenschaftliche aber unerfüllte Liebe zweier stürmischer Temperamente und ein düsteres Porträt zweier Menschen, die an ihrer eigenen Unnachgiebigkeit zerbrechen.

 

Als einziges Buch von Emily Brontë – der mittleren der drei talentierten Brontë Schwestern – wird „Sturmhöhe“ heute zu den Klassikern der viktorianischen Literatur gezählt. Seiner Zeit wurde das düstere Werk vom viktorianischen Publikum weitgehend abgelehnt und konnte nie aus dem Schatten des weit erfolgreicheren Romans „Jane Eyre“ – das Werk ihrer älteren Schwester Charlotte – heraustreten. Bedauerlicherweise muss ich zugeben, dass auch ich keine rechte Freude an „Sturmhöhe“ finden konnte und kann mich dem Urteil der viktorianischen Zeitgenossen weitgehend anschließen.

 

Zu der Kritik, die seiner Zeit an dem Roman geübt wurde, gehört unter anderem der Punkt, dass man sich mit den Charakteren nicht leicht identifizieren kann. Zwar stellt Emily Brontë wunderbar die Komplexität des menschlichen Wesens mit all seinen Widersprüchen und Schattenseiten da, doch wirkt dadurch kein Charakter – mit Ausnahme vielleicht der jungen Cathy, der Tochter von Katherine – sympathisch. Auch ist der Antiheld Heathcliff zwar eine zutiefst tragische Figur, mit der man zumindest stellenweise mitfühlen kann, doch handelt er später zu niederträchtig, zu unnachgiebig und hartherzig gegenüber Unschuldigen, die seinen Hass nicht verdient haben. Aus diesem Grund konnte ich mich dem Gefühl nicht erwehren, dass die beiden Liebenden Katherine und Heathcliff ihr tragisches Schicksal durch ihr selbstsüchtiges und zerstörerisches Verhalten nicht nur herbeigeführt, sondern auch verdient haben. So stößt Emily Brontës „Sturmhöhe“ – ein Werk, in dem kein Lichtstrahl es schafft, den dichten melancholischen und fast schon depressiven Schleier je auch nur für einen kurzen Moment zu durchbrechen – den Leser eher ab, als dass es ihn in seinen Bann zieht.

 

Ein weiterer Kritikpunkt ist die streckenweise Verwirrende Handlung. Denn die zentralen Charaktere werden bis auf Heathcliff ab einem gewissen Punk zum Großteil durch neue ersetzt oder zumindest durch dieselben in den Hintergrund gerückt. Die neuen Charaktere, die hauptsächlich aus den Kindern der alten Protagonisten bestehen, erfahren keine so gründliche Einführung wie ihre Eltern und bleiben dem Leser deshalb auch weitgehend gleichgültig. Wenig hilfreich ist an dieser Stelle auch die Namensgebung der neu eingeführten Figuren. So ist Katherines Tochter beispielsweise nach ihrer Mutter benannt, was des Öfteren für Verwirrung sorgt, wenn nicht klar ist, wer von beiden gemeint ist.

 

Eine nähere Analyse des Klassikers zeigt zwar, dass das Handlungs- und Beziehungsgeflecht von „Sturmhöhe“ extrem durchdacht und gekonnt entworfen ist, das Lesevergnügen ist insgesamt – wie so oft bei Büchern, die es in den literarischen Kanon geschafft haben – dennoch geschmälert. Was nach dem Lesen dieser Lektüre letztendlich übrig bleibt, ist nur der Stolz darüber, sich durch dieses Werk von literaturhistorischer Bedeutung erfolgreich hindurchgequält zu haben.

 

 

Urteil: Wenn man in der Literaturkategorie bei Quizduell was reißen will oder aber ein Faible für düstere, vor Melancholie triefende Liebesdramen hat, führt an diesem Klassiker kein Weg vorbei.

Für alle anderen heißt es: auf zu schöneren und fröhlicheren Gefilden.

 



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