Rezension: Der Maik-Tylor verträgt kein Bio –Neues aus dem Alltag einer Familienpsychologin

 

Zur Sache:

 

Das neue und dritte Buch von der Autorin des Bestsellers „Die Schakkeline ist voll hochbegabt, ey!“ ist endlich da! Turbulent geht es weiter mit neuen humorvollen Anekdoten aus dem Leben der Familienpsychologin! Wer noch nicht genug hat von unmöglichen Familienangehörigen, herzzerreißenden Geschichten wiederhergestellten Familienglücks und Jugendamtsdesastern, der möge sich auch „Der Maik-Tylor verträgt kein Bio!“ zu Gemüt führen.

 

 

 

Rezension:

 

Wer bereits die ersten beiden Bücher über das Berufsleben der Familienpsychologin und Gutachterin für Familiengerichte Sophie Seeberg kennt oder meine Rezension zu ihren ersten beiden Werken „die Schakkeline ist voll hochbegabt, ey!“ und „die Schanin hat nur schwere Knochen“ – klick hier, wenn du sie noch nicht kennst – gelesen hat, weiß, was er auch im dritten Buch in etwa erwarten kann.

 

Auch ihr drittes Buch enthält wieder einige skurrile Geschichten über Familiendramen sozialer Randgruppen und auch der Stil, in dem Frau Seeberg berichtet, ist derselbe wie zuvor. Leider zeichnet sich in ihrem dritten Ableger allzu deutlich ab, was schon das Ende des zweiten Teils befürchten ließ: Frau Seeberg geht langsam der Stoff aus. Nicht, dass man aus 20 Jahren Berufserfahrung nicht noch mehr Geschichten herausfischen könnte, doch die herausragenden, die wirklich unterhaltsamen Anekdoten reichen dann eben doch nicht für ein drittes Buch. So ist „der Maik-Tyler verträgt kein Bio!“ insgesamt nicht nur kürzer, sondern auch unlustiger und leider auch uninteressanter geworden als seine beiden Vorgänger.

 

Die Geschichten selbst sind diesmal recht unspektakulär und kurz geraten oder ähneln Fällen, die schon in „die Schakkeline ist voll hochbegabt, ey!“ und „Die Schanin hat nur schwere Knochen“ geschildert wurden. Außerdem lässt sich Frau Seeberg nun auch vermehrt zu etwas hinreißen, was sich schon leicht in „die Schanin hat nur schwere Knochen“ angedeutet hat: Sie hält belehrende Plädoyers zur besseren Erziehung und zur Erhaltung des Kindeswohls. Das ist nicht nur nervig, es ist auch unnötig. Denn ihr Anliegen hat sie durch ihre kommentierten Anekdoten schon längst auf subtile Weise an den Mann gebracht. Jetzt aber klingt sie wie eine übereifrige Schullehrerin, die den Stoff noch einmal mit wild wedelndem Zeigestock an der Tafel wiederholt, damit auch die letzte Schnarchnase, die vielleicht beim Hören oder Lesen ihrer ersten Bücher stellenweise eingeschlafen ist, verstanden hat, dass sie es wirklich, WIRKLICH ernst damit meint, dass man Kinder gut behandeln sollte. Sollte das nicht reichen, bekommt man, wie ein Rezept in einem Kochbuch, nun auch noch das seebergische ABC für Dummies, wie man dieses schwerwiegende Unterfangen – das Kinderaufziehen – richtig anstellt, gratis mitgeliefert. Das ist leider zu plump.

 

Auch verschenkt Frau Seeberg in „der Maik-Tylor verträgt kein Bio!“ wertvolles Papier damit, diesmal ausgiebig aus ihrem persönlichen Leben und über ihre Erfahrungen sowie ihren Austausch mit ihren Kollegen zu berichten. Das ist in Maßen und als kleine Atempause zwischen den Anekdoten, für die man ihr Buch gekauft hat, zwar durchaus interessant, nimmt aber hier viel zu viel Raum ein. So füllen die Berichte aus ihrem Arbeitsumfeld, in dem Frau Seeberg und ihre Kollegen sich nach Wahl in gemütlicher Runde selbst bemitleiden oder Mut zusprechen gefühlt fast das halbe Buch.

 

Antun kann man sich das natürlich – muss man aber nicht. Meiner einer hört sich dann doch lieber noch einmal die ersten beiden viel gelungeneren Bücher an, die auch einem zweitmaligen Lesen oder Hören standhalten. So lässt sich mit gutem Gewissen sagen, dass es an der Zeit ist, dass Frau Seeberg nun neue Gefilde aufsucht, denen sie erzählenswerte und humorvolle Anekdoten abringen kann.

 

 

Urteil: Kehren sie um und lesen die ersten beiden Bücher – oder, wenn es einen wirklich juckt oder man gerade nichts Besseres zu Lesen hat, kann man seine Zeit auch schlimmer totschlagen.

 


 

Erschienen: 01.02.2017

Taschenbuch

Umfang: 304 Seiten

Verlag: Knaur TB

ISBN: 978-3-426-78854-7

 

Bei Amazon