Rezension: Riryia Revelations - Der Thron von Melengar

 

Zur Sache:

 

In der zwielichtigen Unterwelt Apeladorns haben sich Hadrian Blackwater und Royce Melborn unter dem Decknamen Riyria längst einen Namen gemacht. Denn das ungleiche Gespann verdient seinen Unterhalt, indem es Aufträge des korrupten Adels ausführt, die sie sich großzügig bezahlen lassen. Das kann sich das Diebespaar auch leisten, denn sie zeichnen sich durch zwei Eigenschaften aus: Diskretion und Erfolgsgarantie. Doch dies wird ihnen unerwartet zum Verhängnis als sie, von einem Unbekannten angeheuert, durch einen zunächst einfach erscheinenden Auftrag in eine Intrige verwickelt werden. Als sie sich des Königsmordes angeklagt im Kerker Melengars wiederfinden, bleibt ihnen nichts anderes übrig als einen Handel mit der ungeliebten Prinzessin Melengars einzugehen. Im Tausch für Leben und Freiheit soll Riyria den Bruder der Prinzessin, den unerfahrenen Alric, auf einer Suche nach dem gefährlichsten Zauberer aller Zeiten begleiten.

Achtung Spoiler!

 

Es handelt sich im Folgenden um eine Rezension der gesamten Riyria Revelations, sodass eventuell Handlungsentwicklungen, die nicht im 1. Band "der Thron von Melengar" geschehen, angedeutet werden.


Rezension:
Mit "der Thron von Melengar" gelingt M.J. Sullivan ein vielversprechender Auftakt einer durch und durch unterhaltsamen High-Fantasy-Reihe, die mit "der Turm von Avempartha" ihre Fortsetzung und mit "die verborgene Stadt Percepliquis" ihren krönenden Abschluss findet. Insgesamt wurden die Riyria Revelations im englischen Original in drei Bänden veröffentlicht, welche für den deutschen Markt auf sechs Bände aufgeteilt wurde. Ein Trend, der seit "Game of Thrones" im Bereich des Fantasygenres um sich zu greifen scheint und viele deutsche Fans, nicht nur aufgrund der zusätzlichen Kosten, verärgern dürfte. Nichtsdestotrotz darf man sich nun auch in Deutschland darüber freuen, dass alle Bände der Riyria Revelations endlich auch hierzulande erhältlich sind.
Aber nun zum Inhalt: M.J. Sullivans  selbst publiziertes Debut ist eine willkommene Abwechslung von den überladenen High-Fantasy Werken der letzten Jahre, die von ihrer eigenen Komplexität und inneren Verworrenheit erschlagen werden. Auch hangelt sich Riyria nicht wie viele andere Genre-Brüder von einer epischen Schlacht von Gut und Böse zur nächsten. Genauso wenig scheint M.J. Sullivan auf die Darstellung von ausartenden Gewaltakten, Hedonismus und Sex, denen man seit Game of Thrones viel zu oft ausgesetzt ist, angewiesen zu sein, um eine mitreißende Geschichte zu konzipieren. 
Vielmehr entwickelt sich die Geschichte, die nach einem wirklich gelungen Einstieg, der sofort zu fesseln und amüsieren weiß, schrittweise. Neue Charaktere werden nach und nach eingeführt, ohne dass man den Überblick über allzu viele Handlungsstränge und Charaktere verliert. Ähnlich wie Sam und Frodo im "Herrn der Ringe" bilden Royce und Hadrian das Herzstück der Geschichte, zu denen im weiteren Verlauf immer neue Charaktere stoßen, unter denen sich einige, wie etwa Aragon, zu gleichwertigen Protagonisten herausbilden. So verfolgt man in späteren Bänden nicht mehr ausschließlich die Handlung des Diebesduos.  
Eine häufig auftretende Schwierigkeit dieses Erzählschemas allerdings ist es allen Charakteren ein zufriedenstellendes Ende zu gewähren, doch M.J. Sullivan gelingt das, woran viele Autoren komplexer Fantasywelten scheitern. Ähnlich wie die Zerstörung des einen Rings als Kleber dient, der die verschiedenen Handlungsstränge im "Herrn der Ringe" zusammenhält und zum Ende wieder zusammenführt, spannt in den Riyria Revelations das Geheimnis einer Intrige aus längst vergangener Zeit einen alles zusammenhaltenden Bogen, durch den die Handlungsstränge in "die verborgene Stadt Percepliquis" einen plausiblen und lohnenden Abschluss finden. In Kontrast zu dem Ring in  "der Herr der Ringe", in der die Motivation und Prämisse für alle von vorneherein offen liegt nämlich schmeiß den Ring in das Feuer entfaltet sich diese in Riyria erst nach und nach und spielt im 1. Teil "der Thron von Melengar" noch kaum eine Rolle.
Ein weiterer Brownie-Punkt, den die Riyria Serie sammelt, ist der Aufbau der Welt Elan. Zwar bedient sich auch M.J. Sullivan einiger gängiger Fantasy Tropen und seine Welt ist bevölkert von Zwergen, Elben und Zauberern, zumindest einer seiner Protagonisten benimmt sich angemessen heldenhaft und natürlich beginnt die Geschichte mit einer Quest (und der Autor hat keinen Vornamen, sondern nur Initialen), aber ähnlich wie J.R.R. Martin vermag Sullivan es den Fantasy Aspekt dosiert einzusetzen und seine Wesen von Tolkiens Entwürfen abzugrenzen.
Erfrischenderweise unterwandert Sullivan zudem gekonnt den abgedroschenen Tropus von Gut und Böse, sodass die Riyria Revelations ohne ein klares Feindbild auskommen und auch keine Orks als böse Allzweckdummys einstehen müssen. Stattdessen sorgt die Beziehung zwischen den menschlichen politischen Lagern Apeladorns und den verbannten Elben Erivans für Spannung, die bis auf ihre erhöhte Agilität nicht viel mit Tolkiens Elben gemeinsam haben. Ein weiterer interessanter Aspekt ist, dass neben den menschlichen Königreichen in Apeladorn auch die Kirche eine wichtige machtpolitische Rolle spielt und tief in die zentrale Intrige verwickelt ist.
 
Zuletzt seien noch die Charaktere der Riyria Revelations erwähnt. Mit dem ungleichen Gespann, bestehend aus dem von Geheimnissen umwaberten Dieb Royce und dem gutmütigen Hünen Hadrian, entwirft Sullivan ein unterhaltsames Duo, das unterschiedlicher nicht sein könnte und sich gerade deshalb perfekt ergänzt. Während der vom Leben gebeutelte, mürrische Royce eine pessimistische Weltanschauung vertritt, zeichnet sich der für einen Dieb und Ex-Söldner seltsam ehrenhafte und oft naive Hadrian durch seinen Optimismus aus. So bilden die beiden ein sehr ausgeglichenes Team, in dem keiner von beiden zum Sidekick verkommt. Die Dynamik zwischen den beiden ähnelt von Anfang an der eines alten Ehepaars, das seine gegenseitigen Stärken und Schwächen kennt und gelernt hat mit dem anderen umzugehen und dem Partner eine Stütze zu sein.
Bei einem so starken Duo würde man denken, dass die Nebencharaktere zwangsläufig zur Nebensache herabgestuft werden. Aber weit gefehlt, denn den Nebencharakteren, wie die magisch begabte, behütete Prinzessin Melengars Arista und der adelige Mönch Myron, der zu Beginn an einen nerdigen Welpen erinnert, schenkt Sullivan genauso viel Aufmerksamkeit wie seinem titelgebenden Duo, sodass mit Recht gesagt werden kann, dass die Welt von Riyria nicht von eindimensionalen Charakteren bevölkert wird. Besonders positiv seien hier die weiblichen Charaktere erwähnt, die emanzipiert ihren eigenen Weg beschreiten, ohne ständig strategischen Einsatz von ihrer Vagina machen zu müssen oder Opfer anhaltender sexueller Schikane und männlicher Gewalt zu werden. Auch bleiben romantische Elemente dezent im Hintergrund und entwickeln sich wenn überhaupt nur langsam. Aber wer braucht schon Romance, wenn man Bromance haben kann.
 
Insgesamt hat M.J. Sullivan mit den Riyria Revelations eine Serie geschaffen, die im Bereich der Fantasy Literatur seinesgleichen sucht und die besten Aspekte in sich vereint, die "Game of Thrones" und den "Herr der Ringe" so erfolgreich machten. Gleichzeitig vermeidet M.J. Sullivan es zu weit auszuschweifen und überschreitet nie ein Maß an Komplexität, das sich nicht kontrollieren lässt.
Wer den beiden Dieben nicht Lebewohl sagen will, sei getröstet. Denn aufgrund des großen Erfolgs der Revelations verfasste Sullivan anschließend ein dreiteiliges Prequel die Riyria Chronicles, welche die Frage beantwortet wie es dazu kommen konnte, dass Royce und Hadrian ein eingeschworenes Team werden konnten ohne sich vorher totzuschlagen. Wer mit Englisch kein Problem hat, dem ist auch das Prequel ans Herz zu legen, der Rest muss leider noch auf eine deutsche Veröffentlichung warten.
 
Urteil: Nicht zu lang und nicht zu kurz, mit einer unschlagbaren Bromance und der coolsten Hexe seit Hermine Granger, kurz ein Fantasy-Roman wie er sein sollte.
 

Zum Hörbuch:
Deutsche Ausgabe:
Wie auch bei den Büchern darf man auf Deutsch doppelt so viel Geld ausgeben wie unsere englischsprachigen Kumpanen. Dafür wird man aber mit einer gewohnt guten Performance von Jack Sparrow Sprecher David Nathan entlohnt, dessen Stimme sich nicht nur vom Ton her perfekt für das Fantasy-Abenteuer eignet, sondern der mit einer lebendigen Intonation zu unterhalten weiß. Ein weiterer Pluspunkt: Die Bücher sind allesamt in ungekürzter Fassung erhältlich.
Englische Ausgabe:
Wenn ich erst einmal Blut geleckt habe, kann ich auch nicht warten, sodass ich, nachdem die deutsche Fassung auf sich warten ließ, zur bereits erhältlichen englischen Fassung gegriffen habe. Als Englisch Student habe ich zumeist auch den Anspruch ein Werk in seiner Original Fassung zu lesen, allerdings habe ich festgestellt, dass die deutschen Hörbücher, vielleicht auch aufgrund der deutschen Synchronisations- und Hörspielkultur, den englischen Gegenstücken des Öfteren  qualitativ überlegen sind. Leider ist dies auch hier der Fall. Zwar wurde mit dem irischen Tim Gerard Reynolds eine passende Stimme gewählt, doch ist seine Intonation  weniger lebendig als die von David Nathan, was zeitweise etwas einschläfernd wirkt. Wer darüber jedoch hinwegsehen kann, kann sich immerhin darüber freuen, dass er insgesamt nur drei Hörbücher zu kaufen hat und die Riyria Chronicles ebenfalls erhältlich sind. Zudem ist auch die englische Version in ungekürzter Fassung erhältlich.

 

Erschienen: 5. Druckaufl. 2016

Taschenbuch

Umfang: 381

Verlag: Klett-Cotta

ISBN: 978-3-608-96025-9

 

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Kommentare: 4
  • #1

    Nachteule (Dienstag, 27 Dezember 2016 22:53)

    Als absoluter Fan von guten Fantasiegeschichten werde ich mir dieses Hörbuch zu Gemüte führen und hoffe, dass du in deiner Besprechung nicht zu viel versprochen hast, denn sie liest sich extrem interessant.

  • #2

    die Busleserin (Samstag, 31 Dezember 2016 14:12)

    Das klingt nach Lesevergnügen und Abtauchen in eine andere Welt, die den Kopf frei machen vom Alltäglichen.
    Dieses Buch gehört auf meine Leseliste.

  • #3

    Nicole Serafini (Donnerstag, 02 Februar 2017 01:02)


    Incredible points. Outstanding arguments. Keep up the amazing work.

  • #4

    Alline Talkington (Montag, 06 Februar 2017 01:30)


    Hurrah! Finally I got a blog from where I be capable of truly take helpful facts regarding my study and knowledge.