Hörspiel-Alarm: Der Schwarm

 

Zur Sache:

 

Das Meer spielt verrückt. Vor der Küste Perus verschwindet spurlos ein Fischer und vor Norwegen bohren sich Millionen unbekannter Würmer in die instabilen Methanhydrate am Kontinentalhang. Auch in den friedlichen Walen British Columbias vollzieht sich eine unheimliche Wandlung, als diese beginnen Boote anzugreifen. Die Vorfälle häufen sich und keiner kann sich das merkwürdige Verhalten der Meerestiere erklären. Gibt es einen Zusammenhang oder ist Alles nur unerklärlicher Zufall?

 

 An Zufall glaubt der norwegische Biologe Sigur Johanson nicht, und auch der Meeresbiologe und Walforscher Leon Anawak ist sich sicher, dass die Vorfälle System haben. Während die Welt um sie herum immer weiter in Chaos zerfällt, treffen sich die weltweit besten Wissenschaftler und Gehirne in einem Wettlauf um die Zeit.

 

 


Achtung: Spoiler!


Rezension:

 

Der Schwarm“ von Frank Schätzing gehört zu den bekanntesten Werken des Kölner Erfolgsautors. 2004 veröffentlicht, ist "der Schwarm" Schätzings sechster und gleichzeitig auch erfolgreichster Roman mit dem Schätzing nicht nur ein Einheimisches, sondern auch ein internationales Publikum begeistern konnte. Am besten lässt sich „der Schwarm“ als einen Science-Fiction-Öko-Thriller einstufen, denn Spannung, einen desaströsen Zukunftsentwurf sowie eine unterliegende Rettet-die-Wale-Message bietet der Roman bis zum letzten Wort. Anders aber als in üblichen Science-Fiction Romanen spielt „der Schwarm“ nicht im All. Denn die „Aliens“ befinden sich bereits seit langer Zeit – weit vor jeglicher menschlichen Existenz – auf der Erde. Als Bewohner der Tiefen der Ozeane, ein zu weiten Teilen von Menschen unerforschter Teil der Erde, lebten sie ungestört und in friedlicher Koexistenz mit den Menschen an Land. Doch mit zunehmender Zerstörung und Verschmutzung ihres Lebensraums kommt die fremde Intelligenz zu dem Schluss, dass die Welt ohne die rücksichtslose Hand des Menschen besser dran wäre. Sie erklären der Menschheit den Krieg.

 

Das Szenario einer Bedrohung der Menschheit durch die verheerenden Folgen einer Erderwärmung, das Frank Schätzing in "der Schwarm" entwickelt, wirkt erschreckend plausibel und überzeugt durch eine beeindruckende und hervorragend recherchierte Beschreibung seiner Abläufe. Vor den Augen des Lesers entfaltet sich ein Schreckensszenario, in der die vom Menschen vergewaltigte Natur sich den Blauen Planeten zurückerobert. In diesem „Was wäre, wenn die Natur sich aktiv rächen könnte“ - Szenario ist Schätzings seltsam körperlose Intelligenz, die Personifikation der Natur selbst. Und die „Yrr“ so taufen die Menschen jene Intelligenz drücken bei den Abläufen einer Erderwärmung schonungslos auf die Fast Forward-Taste. Hilflos müssen die Menschen zuschauen, wie ihnen die vermeintliche Herrschaft über die Erde entrissen wird, und Schätzung übt unübersehbar Kritik am Handeln großer, gewissenloser, auf Profitmaximierung ausgerichteten Kooperationen und der Vermessenheit menschlichen Handelns im Generellen. In Schätzings Schwarm gibt es deshalb auch nicht nur einen Feind. Nicht die „Yrr“ sind das Problem, sondern die Ursache allen Übels liegt in der menschlichen Arroganz mit all ihren Allmachtsansprüchen. Spannend, erschütternd denkbar und mitreißend ist die erste Hälfte des Romans, in dem das Desaster sich erst sachte ankündigt, um dann mit aller Macht, wie ein Tsunami, über die Menschen hereinzubrechen, der gelungenste Teil des Öko-Thrillers.

 

Zwar reißt der Spannungsbogen auch im weiteren Verlauf der Handlung nicht ab und ein schauerliches Event jagt das andere, aber leider büßt „der Schwarm“ gegen Ende an Plausibilität ein. Obwohl Schätzing zu Beginn mit einem Arsenal an fesselnden Persönlichkeiten auftrumpft, die zum Mitfiebern einladen, wirken einige Charaktere – insbesondere die größenwahnsinnige Amerikanerin und General Commander Judith Li – zum Ende hin arg überzeichnet und comichaft. Auch das unwahrscheinliche Happy End kann den kritischen Mitdenker nicht wirklich überzeugen. Dies liegt vor allem daran, dass die Wissenschaftler der haushohen Überlegenheit der unbekannten Intelligenz bis zum Schluss nicht wirklich etwas entgegenzusetzen haben. Stattdessen präsentiert sich die Lösung wie aus einem Zauberhut gezogen und löst alles in Wohlgefallen auf. So erinnert „der Scharm“, der insgesamt in 5 Abschnitte eingeteilt ist – Anomalien, Château Desaster, Independence, Abwärts und Kontakt – ab dem dritten Teil „Independence“– spätestens aber ab dem Punkt an dem Sigur Johanson sein Gedächtnis verliert– an einen Hollywood-Action-Blog Buster, in dem Plausibilität und inhaltliche Substanz für eine reißerische Achterbahnfahrt mit großem Finale geopfert werden.

 

Trotz allem lohnt es sich "den Schwarm" anzuhören. Denn wie ein guter Hollywood-Blog Buster weiß „der Schwarm“ bis zum Schluss – und das sind immerhin ganze, beachtliche 12 Stunden und 9 Minuten – zu unterhalten und verliert nie an Spannung. Auch wartet die vom Hörverlag produzierte Hörproduktion mit einer exzellenten Besetzung – mit Sprechern wie Manfred Zapatka, Mechthild Großmann und Joachim Kerzel – auf. Die gesamte Produktion ist mit atmosphärischer Musik und einer Soundkulisse hinterlegt, die dem Hörer ein ums andere Mal einen kalten Schauer über den Nacken schickt und direkt in die beschriebene Situation hineinversetzt. Keine Stimme sticht unangenehm hervor, sondern vielmehr tragen die Sprecher dazu bei, dass jeder Charakter durch eine für sie passende Stimme und Sprechweise unverwechselbar ins Leben gerufen wird.

Eine weitere Besonderheit dieser Hörproduktion ist es, dass es sich bei dieser Version weder um ein reines Hörspiel denn weite Passagen und auch alle Gedanken der Charaktere werden von einem Erzähler gelesen noch um ein reines Hörbuch handelt, denn die Dialoge werden von verschiedenen Sprechern vorgelesen.

 

Nicht umsonst also ist die Hörspiel-Produktion von „der Schwarm“ von Audible-Hörern in einer großen Abstimmung auf Platz eins der Lieblingshörbücher der letzten 10 Jahre gewählt worden. So bietet Schätzings Erfolgsroman trotz ein paar Schwächen am Ende insgesamt Einiges, wofür sich ein Reinhören lohnt. Eine starke Atmosphäre, tolle Sprecher, eine Reise um die Welt, eine mitreißende Achterbahnfahrt, spannende Einblicke in das Ökosystem Ozean und auch ein paar Denkanstöße in Bezug auf unseren Umgang mit der Welt und die Rolle, die der Mensch in ihr einnehmen sollte. Wer also noch nach einem Tipp für ein passendes Hörerlebnis für eine lange Urlaubsreise oder Autofahrt sucht, ist mit Frank Schätzings Hörspielversion – Achtung: eine Hörbuchversion gibt es auch! – von „der Schwarm“ gut bedient.

 

 

Urteil: Trotz seiner Länge ist „der Schwarm“ ein kurzweiliges, schauerliches und weitestgehend intelligentes Vergnügen. Ein Action-Thriller Blog Buster für die Ohren!

 

 

 


 

Erschienen: 02.07.2007

Hörspiel

Verlag: Der Hörverlag

Länge: 12 Std. 9 Min.

ISBN: 978-3-89940-821-8

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Sailor (Donnerstag, 06 April 2017 17:34)

    Super Buch - ich fand die erste Hälfte auch besser als den zweiten Teil.

  • #2

    Henri (Dienstag, 11 April 2017 20:00)

    Warum der Autor es für nötig hält, den fiktionalen Anteil seiner Werke in die Höhe zu treiben, ist mir ein Rätsel. Trotz interessanter Prämisse, verzerrt sich der Leser Mitte des Buches in ein sureales Abenteuer.
    Die nächste Veröffentlichung des Autos (Breaking News) bietet (trotz ähnlicher Problematik) die bessere Alternative dar.