Rezension: Du mich auch: Ein Rache-Roman

 

Zur Sache:

 

Als sich drei alte Schulfreundinnen nach 25 Jahren bei einem Abi-Jubiläum wiedersehen, ist die Freude groß. Doch schnell fängt die perfekte Fassade an zu bröckeln. Evi, Hausfrau und wunderbare Mutter, Beatrice Jet-settende Karrierefrau mit obligatorischer Vorzeigefamilie und einstige Streberin Katharina, Staatssekretärin und verheiratet mit ihrem Job, haben eins gemeinsam: Sie sind unglücklich. Und wer hat Schuld? Natürlich die Männer in ihrem Leben. Nach einer alkoholisierten Nacht ist es beschlossene Sache – sie werden sich rächen, und zwar gründlich.

 

 

Rezension:

 

Was sich zunächst als eine Geschichte a la "der Club der Teufelinnen" anmutet, enthält nichts von dessen Charme und Witz. Als Vertreter des traurigen Chick-Lit Genres waren meine Erwartungen dementsprechend niedrig justiert. Eine leichte, humorvolle Lektüre, die zum Schmunzeln einlädt, hatten nicht nur der Klappentext, sondern auch die zahlreichen Kundenkritiken versprochen, sodass ich mich schlussendlich dazu verleiten lies, diesem Geschreibsel eine Chance zu geben. Ich hätte es besser wissen müssen.

 

Die Story ist so flach, wie die Charaktere eindimensional und hohl sind. Dabei verkörpern die drei Frauen die üblichen drei Stereotypen der modernen Frau. Da wäre zunächst Prototyp Nr. 1: die liebevolle, aufopferungsvolle Hausfrau, die im Gegenzug ihre Attraktivität und ihren Selbstrespekt eingebüßt hat, die nun als unappetitlicher Pfannekuchen von ihrem Mann betrogen und verlassen wird. Dann wäre da noch Prototyp Nr. 2: die kalte, ausgedörrte Karrieretrockenpflaume, selbstverliebt, perfektionistisch, durch zahlreiche OPs getuned mit einer vernachlässigten Familie. Und zu guter Letzt Prototyp Nr. 3: die ewige Singlefrau, verheiratet mit ihrem Job, heimlich von innerer Unsicherheit zerfressen und in einer unprofessionellen, unglücklichen Liaison mit ihrem Vorgesetzten verstrickt. Keine der drei Intrigantinnen erweckt viele Sympathien, sind sie an ihrer eigenen Misere doch maßgeblich selber schuld. Besonders modern sind diese drei Pseudo-Feministinnen im Grunde auch nicht, denn jegliche Eigenverantwortung wollen sie nicht übernehmen. Und da man spätestens seit den Ärzten weiß, dass Männer Schweine sind, ist das auch gar nicht nötig. Der Fall ist klar: Die Männer sind schuld.

 

Eines kann man dem Buch dann doch noch zugute halten, denn immerhin gelangen die drei Flachpfeifen zur Einsicht, dass sie etwas verändern müssen, um die Aufmerksamkeit ihrer Schlipsträger wiederzugewinnen. Nur, wie stellt man so was an? Richtig! Ab ins Wellnesshotel und erst mal so richtig wie die Superreichen einen drauf machen. Frau ist es schließlich wert. Dabei fließt natürlich jede Menge Champagner, sonst könnte man ja Gefahr laufen, dass eine Gehirnzelle aufwacht. Schließlich, um ihre neu erwachte Emanzipation so richtig zu feiern, wird zur Krönung noch ein Callboy bestellt. Na dann, Stößchen!

Wäre man Freudianer, könnte man den drei Damen glatt Penisneid unterstellen; wie eine offene Hose benehmen sie sich auf jeden Fall. Aufrichtige und dringend nötige Kommunikation mit ihren Partnern und auch nur im Ansatz erwachsenes Verhalten kommt den Frauen jedenfalls nicht in den Sinn. Stattdessen planen sie nicht nur sich zu rächen, nein, sie planen die totale Vernichtung bei maximaler Selbstbereicherung.

Um mit den Protagonistinnen dennoch mitfiebern zu können, gestaltet Ellen Berg die männlichen Pendants in weiser Voraussicht ähnlich unsympathisch. Diese Exemplare des Homo erectus sind angemessen arrogant, egoistisch und chauvinistisch, leider aber auch so dämlich simpel, dass sie einem leidtun. Hätten sie jetzt ein Sixpack und die richtige Föhnwelle gehabt, hätte sich da sicherlich noch was machen lassen, denn Geld haben die Herren, aber mit ihrem dekadenten Trommelbauch und ergrauendem Haar locken die drei Herren ihre Ladys leider in keinen roten Kellerraum. So werden die drei armen Schweine nicht nur von ihren Sirenen zur Schlachtbank geführt, sondern fallen auch ganz offenkundig dem Wunschdenken ihrer Schöpferin zum Opfer.

 

Wenig verwunderlich ist es dann auch, dass der Schreibstil der Autorin ebenso zu wünschen übrig lässt wie der Rest der Story, denn sie schafft es nicht,  ihre Charakterbeschreibungen schlüssig mit dem Verhalten ihrer Figuren übereinzubringen.  Zwar handelt es sich hier um eine typische Chick-Lit Krankheit, in der die Autorin im Voraus die Intelligenz und Außerordentlichkeit ihrer Protagonisten herausstellt, denn ohne diese Erinnerungsstütze könnte man auch gar nicht erkennen, dass es sich eigentlich um emanzipierte, kluge und weltgewandte Frauen handeln soll, zum Jubeln lädt dies aber trotzdem nicht ein.

 

So reiht sich "Du mich auch: ein Rache-Roman" in die lange Reihe trauriger Vertreter derjenigen Bücher ein, die befürchten lassen, dass die tapferen Suffragetten und Feministinnen der Vergangenheit ganz um sonst auf die Straßen gegangen sind, und die hoffen lassen, das die Welt nie von Frauen regiert werden möge.

 

Zuletzt eine kurze Anmerkung zur Hörbuchversion: Mit dem Talent von Tessa Mittelstaedt ist sicherlich eine passende Sprecherin gewählt worden, die schon vielen Chick-Lit Romanen ihre Stimme geliehen hat und damit einigen Höherinnen bekannt sein sollte. Viel retten kann sie trotzdem nicht.

 

 

Urteil: Flach, dumm, eindimensional, eine Beleidigung für den Intellekt.

 


 

Erschienen: 19.09.2011

Aufbau Taschenbuch

304 Seiten

ISBN: 978-3-7466-2746-5

Bei Amazon

 

 

Erschienen: 31.03.2016

Audible GmbH

ungekürzt

8 Std. 59 Min.

ASIN: B01C32EUJY

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Kommentare: 1
  • #1

    Sailor (Donnerstag, 08 September 2016 12:11)

    Das ist ja mal eine knallharte Rezension. Aber so ein Buch hätte ich mir eh nicht gekauft.