Rezension: Der Marsianer – Rettet Mark Watney

 

Zur Sache:

 

So hatte sich Mark Watney, Astronaut, Botaniker, Ingenieur und jüngstes Mitglied des sechsköpfigen Forschungsteams Ares 3 die erste bemannte Marsmission nicht vorgestellt. Als das Team durch einen schweren Staubsturm dazu gezwungen wird ihre Operation frühzeitig abzubrechen, wird der junge Astronaut versehentlich alleine auf dem Mars zurückgelassen. Abgeschnitten von allem menschlichen Kontakt, auf einem menschenfeindlichen Planeten, mit begrenzten Ressourcen und Vorräten könnten seine Überlebenschancen kaum schlechter sein. Auch eine Rückkehr zur Erde erscheint mehr als ungewiss. Unerwartet muss sich Watney nun einer ganz anderen Mission stellen als ursprünglich geplant. Sie heißt: Überleben!
Rezension:
Mit seinem Roman "der Marsianer" gelingt Andy Weir nicht nur ein spannendes, sondern vor allem interessantes Debüt, voll mit faszinierenden Fakten im Bereich der Raumfahrt und Physik. Dabei setzt Andy Weir in seinem Roman, der dem Science-Fiction-Genre zugeschrieben wird, einen größeren Schwerpunkt auf Science als auf Fiction. Bevor Weir, der selbst einen  fachlichen Hintergrund im Bereich Informatik vorzuweisen hat, seinen Science-Fiction-Roman zunächst kostenlos auf seiner Webseite veröffentlichte, verbrachte er deshalb mehrere Jahre mit intensiver Recherche in den Bereichen Orbitalmechanik, Astronomie sowie Botanik und beschäftigte sich mit der Geschichte der bemannten Raumfahrt.  Des Weiteren nutzte Weir nach der ersten Veröffentlichung seine zahlreichen Leser-Feedbacks um eventuelle Missrepresentationen der physikalischen Prozesse und Technik auszumerzen. Diese Anstrengungen sind dem Marsianer anzumerken und die von Weir beschriebenen Technologien und Techniken gelten als realistisch und in näherer Zukunft als umsetzbar. Auch die Physik wird so akkurat und verständlich wiedergegeben wie möglich. Lediglich die Ausgangsprämisse des Staubsturms verlangt nach einer willentlichen Aussetzung der Ungläubigkeit, da ein solches Phänomen auf Grund der dünnen Atmosphäre des Mars schlicht unmöglich ist.
Was den "Marsianer" auch für ein Publikum abseits der Science-Geeks und Star-Trek Nerds attraktiv macht, ist sein universell beliebter Topos vom Menschen gegen die Natur. Vom Menschen der sich mit Hilfe seines Verstandes, der Wissenschaft und Technik eine wilde, unbewohnte, feindliche Welt Untertan macht. Natürlich könnte man den Marsianer mit seiner Grundprämisse als Robinson Crusoe auf dem Mars beschreiben. Doch während in Robinson Crusoe hauptsächlich die Kolonial-Fantasien des frühen 18. Jahrhunderts transportiert werden und sich der titelstiftende Held als Instrument schicksalhafter Vorsehung versteht, infolgedessen er sich über weite Teile des Buches in melancholisch sinnierenden Diskursen über Gott ergeht, geht Mark Watney der Robinson Crusoe des "Marsianers" die Dinge nüchtern an. Schließlich hat er genug zu tun, wenn er eines Tages wieder wohltuende Erdenluft atmen möchte. Da bleibt für langes Selbstmitleid und dem Nachgeben von Existenzängsten keine Zeit.
Nein, Mark Watney geht mit seiner Lage um wie ein Mann des 21. Jahrhunderts: tatkräftig und mit einer gesunden Dosis Selbstironie.
Neben der simplen "Strandung" an einem isolierten Ort nimmt im Marisaner außerdem die Rückkehr zur Erde eine große Rolle ein, die sich im Weltraum als weitaus komplexer und interessanter gestaltet als in Robinson Crusoe. Ein weiterer Unterschied zu Daniel Defoes Werk ist die Erzählperspektive. Während Robinson Crusoe ein rückblickender Ich-Erzähler ist, präsentiert sich der Marsianer aus verschiedenen Perspektiven. Zwar erfährt der Leser die Geschichte größtenteils über den erlebenden Ich-Erzähler Mark Watney, der sich über ein an die Nachwelt gerichtetes Logbuch mitteilt, aber auch die Perspektive der Ares 3 Crew und der NASA-Mitarbeiter auf der Erde werden inkorporiert. So entwickelt sich die Rettung des Marsianers Mark Watney im Verlauf der Geschichte immer mehr zu einem Gemeinschaftsakt, der eine optimistische und affirmative Perspektive auf die Menschheit zu Grunde liegt.
Mit einer solchen Prämisse und bei all den Mühen die Andy Weir zur Perfektionierung seines Romans betrieben hat, ist es nicht verwunderlich, dass "der Marsianer" schnell eine Fangemeinde unter den Nerds und Naturwissenschafts-Geeks fand, an die Spitze der New York Times Bestsellerliste stieg und schließlich seine Erfolgsgeschichte mit der preisgekrönten, von Ridley Scott Regie geführten Hollywood Blockbuster Adaption mit Matt Damon in der Hauptrolle abschloss.
Noch eine kurze Bemerkung zur deutschen Hörbuchversion. Diese kann man, sowohl um ca. zwei Stunden gekürzt, als auch ungekürzt erstehen, wobei ich von keinen etwaigen Längen berichten kann, die ein Kürzen des Romans nötig machen. Gelesen wird "der Marsianer" von Richard Barenberg, der seit 2012 vermehrt als Hörbuchsprecher tätig ist. Barenberg verzichtet bei seiner Lesung auf eine Vielzahl von Stimmen, besticht jedoch durch einen angenehmen Lesefluss, eine ansprechende und besonders für Mark Watney passende Stimme, sowie eine lebendige Intonation, die nicht in Monotonie verfällt.
Urteil: Spannend, informativ, unerwartet witzig und im besten Sinne optimistisch – ein absolutes Feel-Good-Buch.

 

Erschienen: 13.10.2014

Heyne Verlag Taschenbuch

512 Seiten

ISBN: 978-3-453-31583-9

Bei Amazon

 

Leseprobe

 

Erschienen: 13.10.2014

Random House Audio

ungekürzt

Laufzeit: 12 Std. 36 Min.

ISBN: 978-3-8371-2751-5

Bei Amazon

Bei Audible

 

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Kommentare: 4
  • #1

    Nachteule (Donnerstag, 01 September 2016 11:16)

    Gute Besprechung, Kompliment. Auch mir gefällt das filmische Ende auf der Erde besser als das literarische.

  • #2

    Sailor (Donnerstag, 08 September 2016 12:10)

    Mir hat das Buch auch sehr gefallen. Werde mir jetzt mal den Film zu Gemüte führen.

  • #3

    Achim (Freitag, 07 Oktober 2016 14:54)

    Saustarke kritikbeschreibung, reichsrani hätte seine wahre Freude an dir!!!!

  • #4

    Die Busleserin (Samstag, 31 Dezember 2016 14:20)

    Deine Rezension hat dazu geführt, dass ich die ganze Handlung gelesen haben. Ich Vergleich zum Film hat das Buch -wie so oft- besser abgeschnitten.