Rezension: Throne of Glass- Die Erwählte

Zur Sache:

 

Celeana Sardothien, jung, selbstgefällig, schön und tödlich ist die gefürchtetste Auftragsmörderin in ganz Erilea, bis sie eines Tages von den eigenen Reihen heimtückisch hintergangen und verraten wird. Nun eine Sklavin in den berüchtigten Minen von Endovier und dazu verurteilt den Rest ihres jungen Lebens als solche zu verbringen, eröffnet sich ihr unerwartet eine Chance ihrem grausamen Grab zu entfliehen. Denn der despotische Herrscher von Adarlan sucht einen neuen Champion, der in einem Wettkampf gegen 23 erprobte Kontrahenten ausgewählt wird. Als der Prinz Adarlans Dorian Celeana als seine Kandidatin nominiert, ergreift die Assassinin, selbstbewusst und siegessicher, die Gunst der Stunde um endlich ihre Freiheit zurückzugewinnen. Doch als die Kandidaten unerwartet einer nach dem anderen auf bestialische und mysteriöse Weise umkommen, wird schnell klar, dass eine größere Macht am Werke ist. So muss Celeana schnell feststellen, dass sie mehr abgebissen hat als sie schlucken kann.

 

Rezension:

 

Mit ihrem Debüt-Roman "Throne of Glass" gelingt Sara J. Maas ein durchgehend spannender Auftakt zu ihrer von Disneys Cinderella inspirierten High-Fantasy Saga. Dabei bestechen neben der fantasievoll angelegten und interessanten Welt nicht nur die Protagonistin Celeana Sardothien, sondern auch die Nebencharaktere. Besonders mit der ausländischen Prinzessin Nehemia, welche elegant, zurückhaltend und mysteriös einer ganz eigene Agenda verfolgt erschafft Maas eine weitere Frau mit Nerven aus Stahl. Aber auch die beiden männlichen Protagonisten, der belesene adarlanische Prinz Dorian und der stolze sowie stoische Hauptmann der Leibgarde Chaol, sind mehr als nur Schablonen und verfügen jeweils über eine eigene Geschichte, die sich nicht nur darauf beläuft als potenzielle Partner für Celeana zu fungieren.

 

Natürlich enthält auch "Throne of Glass", ganz wie es das Programm eines romantischen und mehrheitlich an ein aus pubertierenden Mädchen und hoffnungslosen Romantikern bestehendes Publikum gerichteter Fantasy-Romans vorschreibt, eine Liebesgeschichte. Zwar erweckt Celeana schnell das romantische Interesse des Prinzen sowie des Hauptmanns, allerdings nimmt die sich entwickelnde Romanze im Gesamtkontext eine eher untergeordnete Rolle ein und droht nicht den Rest der Handlung zu überlagern. Auch kann zur Erleichterung Aller gesagt werden, dass es keine in Stein gemeißelte vom Schicksal vorbestimmte Liebeskonstellation gibt, an der ein von den Sternen ignorierter armer Tropf à la Jacob Black so lange rütteln muss bis auch der letzte Leser das Buch frustriert an die Wand geschmissen hat in der Hoffnung im Gegenzug ein Buch ohne die abgedroschenen Phrasen zu erhalten. Vielmehr entwickeln sich die Beziehungen zwischen den Charakteren auf natürliche Weise und über eine realistische Zeitspanne.

 

Nun zur Protagonistin: Celeana Sardothien ist erfrischend unverfroren und von niemandem eingenommen ist außer von sich selbst. Im Gegensatz zu vielen anderen Protagonistinnen, welche in jüngster Zeit die an ein hauptsächlich weibliches Publikum gerichtete Jugendliteratur bevölkern, wird Celeana nicht von Selbstzweifeln oder einem Bedürfnis sich an jeder Ecke aufopfern zu müssen geplagt. Im Gegenteil: sie ist schlagfertig, talentiert, weiß was sie will und ist bereit Alles dafür zu tun ungeachtet der Konsequenzen, die ihr Handeln für andere Personen bedeutet. So scheint Sara J. Maas zunächst auch bereit zu sein das Risiko einzugehen ihre Protagonistin in ihrem einseitigen und rücksichtslosen Handeln unsympathisch erscheinen zu lassen.

 

Hiermit wären wir auch an dem entscheidenden Schwachpunkt der High-Fantasy Saga angekommen. Denn während man als Leser kein Problem hat der aufopferungsvollen, aufrichtigen und zu Unrecht vom Schicksal gebeutelten Cinderella bei ihrem Streben nach Glück und Freiheit das Beste zu wünschen, fällt das Mitfiebern mit Celeana Sardothien um ein Vielfaches schwerer. Hier stellen sich unter anderem Fragen danach, inwieweit ein Mensch der ohne mit der Wimper zu zucken mit Mord seinen Unterhalt verdient überhaupt ein Recht auf Freiheit und Glück hat und ob Selbstjustiz gerecht oder gar entschuldbar ist. Diese Problematik scheint Sarah J. Maas dann auch selbst aufgefallen zu sein, denn im Verlauf der Erzählung wandelt sich Celeana immer mehr zur Beschützerin der Hilflosen und agiert entschieden unblutig. Selbstredend wird Celeana, damit auch ja nicht unklar bleibt, auf wessen Seite man zu stehen hat, mit einer herzerweichenden Vorgeschichte versorgt, welche und das ist offensichtlich vieles von Celeanas Verhalten entschuldigen und noch schlimmer legitimieren soll. Somit verschenkt Maas viel Potenzial für eine differenziertere Auseinandersetzung mit Themen wie der Dichotomie von Gut und Böse und der Frage danach, ob es eine solche überhaupt gibt. Denn wenn Maas ihrer ersten Charakterisierung Celeanas treu geblieben wäre, wäre unangenehm klar geworden, dass die Frage nach Gut und Böse mehr als alles andere eine Frage der Perspektive ist.

 

Trotz der ein- oder anderen Schwachstelle bleibt "Throne of Glass" dennoch ein spannendes Buch, das erfolgreich die erste Etappe auf Celeanas Streben nach Freiheit abschließt und Lust auf mehr macht. Durch einen angenehmen Lesefluss, eine mitreißende, bildreiche Sprache und nicht zuletzt eine hartgesottene Heldin bietet "Throne of Glass" eine willkommene Abwechslung von der zeitweise recht redundanten Jugendliteratur im Bereich Fantasy-Romance der letzten Jahre.

 

Zuletzt sei noch die englische Hörbuchversion erwähnt, die ungekürzt von Elizabeth Evans gelesen wird und auf jeden Fall ein Reinhören wert ist. Obwohl Evans den Charakteren keine individuellen Stimmen verleiht, wie etwa der fantastische Jim Dale, der den Meisten durch die Harry-Potter-Hörbücher bekannt ist, so verleiht sie ihnen doch durch ihre Intonation Charakter. Besonders Celeana trägt sie mit unvergleichlicher Selbstverliebtheit, Arroganz und Kraft vor, schafft es aber auch die besinnlicheren Momente angemessen wiederzugeben.

 

 

Urteil: Spannend, fantasievoll, und nicht so böse, wie es sein will.


 

Erschienen: 23.10.2015

dtv (junior) Taschenbuch

496 Seiten

ISBN: 978-3-423-71651-2

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Leseprobe

 

Erschienen: 5.11.2013

Audible Studios for Bloomsbury

ungekürzt und auf Englisch

Laufzeit: 12 Std. 47 Min.

ASIN: B00NTQ5LBU

Bei Amazon

Bei Audible

 

Weiterleitung zur Hörprobe


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